Rezensionen

Sanfte Berührung mit Panikattacken

Die junge Autorin hat mit ihrem Debüt die Messlatte für ihre folgenden Romane sehr hoch gelegt. Mit Lena hat sie eine außergewöhnliche Protagonistin geschaffen. Tessa Weitemeier hat diese mit Samthandschuhen entwickelt ohne sie vor dem Leser zu schonen oder zu verstecken. Man merkt, dass Lena von ihr geliebt wird und auch als Leser kann man nicht anders. Ich war ständig hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl sie in die Arme zu nehmen und dem Drang sie an die Hand zu nehmen, um ihr die Sonnenseiten zu zeigen. Zum Glück hat sie Luca getroffen, der für sie vermag, die Sonne zu sehen und der Lena wiederum fordert, ihn zu halten und zu stützen. Eine Symbiose der besonderen Art, voll beginnender Zärtlichkeit mit der Coolness und Verlegenheit der Jugend. Besonders ist diese Form der Darstellung aufgrund des Alters der Autorin, die ja auch gerade erst diese Zeit durchlebt hat und somit vielleicht hier eigene Erfahrungen der ersten Verliebtheit hat mit einfließen lassen. Die Sprache des Romans ist leicht und lässig ohne plump zu wirken, sie ist der Jugend angemessen und hilft dem Leser über die doch ernste Thematik hinweg, so dass er zwar mitfühlt, aber ohne dass sich diese Beklemmung auf ihn überträgt. Die Schilderung von Lenas Angstattacken sind überaus authentisch und auch für jemanden, der dies nie erlebt hat nachvollziehbar ohne, dass der Leser den Eindruck der Übertreibung gewinnt.

Der Rahmen in dem die junge Lena agiert ist schwierig. Ich werde den Eindruck nicht los, dass Lenas Mutter keine Liebe für ihr Kind empfindet, auch für die jüngere Schwester scheint es nicht über das Maß der Pflichterfüllung hinaus zu gehen. Ihrem Vater, denke ich, könnte Lena schon etwas mehr zutrauen, wenn sie nicht das Gefühl hätte, ihn schonen zu müssen. Meiner Meinung nach hätte sie ihm schon die Wahrheit sagen können, aber eben direkt, ohne darauf zu warten, dass er auf sie zugeht. Der Satz: “Aber ich kann das alles niemanden fragen. … und Papa wird bestimmt schon genug mit Mama zu tun haben.” (S.76/77) bezieht sich zwar grundsätzlich auf Fragen zum Tod des Opas, aber zeichnen doch auch ab, warum Lena sich ihrem Vater nicht anvertraut. Sehr gefallen haben mir die Lehrer, die aus meiner Sicht einzig richtig gehandelt haben. Diese Art von Verständnis und Problemlösung hätte ich mir jedoch gerne von Lenas Eltern gewünscht.

Insgesamt hat mich Lenas Geschichte sehr berührt und hat mich auch nach dem Lesen der letzten Seite noch ein paar Tage lang beschäftigt einfach, weil ich als Mutter die Eltern der Protagonistin noch nicht verdaut habe und auch, weil mich die Heldin des Romans tief beeindruckt hat durch den Mut sich trotz aller Umstände ihren Pflichten zu widmen, sich den Bedürfnissen ihrer Schwester unterzuordnen und vor allem Hilfe anzunehmen.

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