Rezensionen

Fire & Ice – Gegensätze verschmelzen zur Katastrophe

Wir befinden uns im Jahre 2029 und somit in nicht allzu ferner Zukunft mit einem bereits heute sehr aktuellen und alarmierenden Thema und die Welt hat sich bereits drastisch verändert. Dazu der Autor bevor die Story beginnt:

“Unter dem kilometerdicken Eispanzer derr Antarktis lauert eine Gefahr. Wissenschaftler haben dort über hundert Vulkane entdeckt. Eine Theorie sagt: Wenn das Eis weiter schmilzt, lässt der Druck auf die Vulkane nach. Das könnte sie aktivieren und eine weltweite Katastrophe auslösen.”

Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley macht während einer Expedition in der Antarktis eine erschreckende Entdeckung. Verzweifelt versucht sie Kollegen, Industrielle und die Bevölkerung auf die drohende Katastrophe aufmerksam zu machen und so das Überleben aller zu sichern. Doch erst als es zu spät ist, hört man ihr zu.

Dies ist eine Story wie schon oft geschrieben, gelesen, verfilmt und dennoch lesenswert. Es ist eine seichte Lektüre – ohne Frage, aber sehr unterhaltsam und mitreißend. Während des Lesens musst ich manches Mal aufstöhnen, so aufgeregt und angespannt war ich. Direkt zu Anfang kommt Tempo und Spannung ins Spiel. Aber es geht auch um Loyalität, Verantwortungsbewusstsein und Wagemut. Wie der Klappentext vermuten lässt geht es hier auch um einen Kampf a là David und Goliath, aber dennoch ist die Lektüre nicht abgedroschen. Auch das Thema wie Frauen in den immer noch existierenden Männerwelten wahrgenommen werden kommt hier vor. Es gibt viele unerwartete Wendungen und überraschende Enthüllungen. Die Beschreibung der Katastrophen anhand einiger Einzelschicksale sind so real für den Leser, dass ich mich die Vorstellung auch nach Beendigung der Lektüre nicht loslässt. Teilweise erzeugten sie ein richtig beklemmendes Gefühl und auch die Bedrohlichkeit war spürbar – und ehrlicherweise möchte ich hinzufügen, dass sich auch Tränen schwer zurückhalten ließen.

Um den Kampf zwischen Wissenschaft und Industrie oder eben David und Goliath zu verdeutlichen und beide Perspektiven kurz und knapp darzustellen eignen sich die folgenden Zitate:

“Ein kilometerdicker Eispanzer lastet auf der Antarktis. In den letzten Jahren ist er um mehr als zehn Prozent geschrumpft. Um den Gewichtsverlust aufzuwiegen, bräuchte man mehr als sieben Milliarden Empire State Buildings!” Sie nahm einen Apfel, biss ein Stück heraus und hielt ihn in Richtung Publikum. “Wenn noch so ein Anteil, wie von diesem Apfel, davon verschwindet, unterschreitet der Druck des Eises einen kritischen Punkt: Die Vulkane brechen aus. Bei der jetzigen Schmelzrate bleiben uns höchstens zwei Jahre bis zum Super-GAU.” (S. 30 Z. 22-32)

“… Mrs. Finley, unsere Wirtschaft ist genauso fragil wie das Klima. Die Märkte sind weltweit miteinander verwoben und in delikater Balance. Wenn sie einen Aspekt darin radikal ändern, bricht das ganze System zusammen. Industrien gehen pleite, Millionen Menschen werden arbeitslos. …” (S. 32 Z. 7-11)

Die Personen sind alle absolut authentisch. Die Protagonistin wirkt absolut glaubwürdig und sympathisch. Man merkt einfach, dass der Autor über sie seine Fachkenntnis darlegt und ich finde es schön, dass er sich dafür einen weiblichen Charakter gewählt hat, was der Story eine zusätzliche Brisanz verleiht. Auch der Antagonist ist sehr authentisch und ich fürchte, dass es in der Realität einige ähnliche Exemplare gibt. Die Unterstützer von Georgina Finley sind allesamt ebenso gut dargestellt und es wird klar, dass es nur gemeinsam geht. Dieses kann man im großen Sinne auf die reelle Situation übertragen, denn einer allein wird es kaum schaffen den Klimawandel herbeizuführen.Genial hat Leo Aldan die Handelnden eingeführt, die nur über wenige Seiten lebendig sind. Ich habe zu diesen sofort eine innige Beziehung aufgebaut und sie geschätzt oder geliebt oder beides. Auch eine sehr geheimnisvolle Person hat in diesem Buch ihr zu Hause und ich habe gerne gerätselt und geraten, was ihr Geheimnis ist und lag doch immer daneben – und ehrlicherweise muss ich sagen: darauf wäre ich ja nie gekommen.

Was natürlich bei der Aufarbeitung eines solch aktuellen Themas nicht fehlen darf sind Social Media und Whistlebowler. Hier wird kurz eine ganzes Netzwerk von Whistleblowern und Hackern erwähnt, die eine zeitlang eine zentrale Rolle spielen. Die unbändige Macht von Social Media wird dargelegt, aber nicht ermüdend thematisiert.

Leider bleibt eine Frage offen, was für mich persönlich definitiv ein Großes Manko ist, da von dieser Aktion viele Ereignisse ihren Ursprung nehmen. Platz für Spekulationen ist da sicher gegeben, aber von mir keinesfalls erwünscht.

Die auktoriale Erzählsitutation lässt viele Perspektiven zu und in der Folge auch Interpretationsmöglichkeiten. Der Schreibstil lässt einen hervorragenden Lesefluß zu, der nicht viel an Konzentration erfordert. Die meisten Zitate, die es wert sind wiederholt zu werden beschäftigen sich mit der Thematik. Die Dialoge sind ansonsten sehr einfach und wenig tiefsinnig, was dem Genre durchaus angemessen ist. Die Spannung kommt über den erzählenden Teil und zwar nicht zu knapp. Es wird überaus temporeich und man muss aufpassen, dass man sich beim Lesen nicht überschlägt. Auch ein gewisses Maß an Dramatik ist enthalten und so ist die Mischung perfekt.

Im ersten Drittel enden die Kapitel abrupt und der Einstieg in das folgende ist holprig. Auch gelingt es dem Autor zunächst nicht, dass man die rationale Gewissheit der drohenden Katastrophe fühlt. Das gibt sich aber für den Rest des Buches und die restlichen zwei Drittel muss man fast in einem Rutsch lesen. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob es handwerklich besser gemacht wurde oder ob ich mich einfach darauf eingestellt habe. Ergo weiß ich leider nicht, ob es am Autor oder am Leser lag.

Fazit: Realtität und Fiktion sind so gut miteinander kombiniert und das Thema so aktuell, dass man die Darstellung in diesem Roman für absolut möglich hält. Sehr lesenswert und auch geeignet für eine gute Unterhaltung nebenbei. Gerne für Mamas auf dem Spielplatz oder einfach als schnelle Lektüre in der Mittagspause. Auch für Pendler im Zug zu empfehlen. Es hat keinen hohen Anspruch und erfordert auch keine tiefgehende Auseinandersetzung. Ich habe es gerne gelesen und es genossen, dass man es das Lesen kurz unterbrechen kann und dann sofort wieder in der Story ist. Und ich habe das Ende zum einen als passenden Abschluss empfunden, wäre aber nicht enttäuscht, wenn es sich als gut getarnten Cliffhanger entpuppt. Hier hat der Autor sich definitiv alle Türen offen gehalten.

Eigentlich sollte eine gute Rezension mit dem Fazit enden, doch möchte ich an dieser Stelle ein Zitat einfügen, dass mich nachhaltig beschäftigt und mit dem sich jeder einmal offen und ehrlich auseinandersetzen sollte zum Wohle aller.

“Ob sich noch einmal intelligente Wesen entwickeln würden? Intelligentere als Homo sapiens? Wie konnten sich die Menschen als intelligent bezeichnen, wenn sie es geschafft hatten, aus Profitgier und Ignoranz ihre Lebensgrundlage und damit sich selbst zu zerstören?” (S. 280, Z. 24ff.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.