Rezensionen

Brutaler Mord in der nördlichsten Stadt Afrikas

Der Klappentext verspricht viel: den Kampf zweier Schwestern gegen den Terror, den Kampf zweier Schwestern gegen die Mafia, den Kampf zweier Schwestern untereinander. Dies alles im Süden Frankreichs, was das Cover eindrucksvoll darstellt. Die kurze, knappe Formulierung der Kurzbeschreibung lässt rasante Spannung vermuten. All das von einem Bestseller-Autor des Spiegel Magazins. Ein Thriller ganz nach meinem Geschmack.

Der Roman beginnt rasant. Nach wenigen Sätzen befindet man sich auf einer Autobahn im Süden Frankreichs und erfährt kurze Zeit später, dass man als Drogenkurier unterwegs ist. Zoë wird gut eingeführt und ich hatte direkt ein Bild von ihr, dass ihrem Metier entspricht: brutal und skrupellos. Danach wird ihre Zwillingsschwester Zara eingeführt und noch sucht man nach Gemeinsamkeiten, doch im Laufe der Story wird klar, wie verschieden die beiden sind und schon immer waren.

Doch müssen sie beide zusammenarbeiten. Die eine, um sich und ihre Zukunft zu schützen und die andere, um ihren Job zu erledigen. In 9 Tagen klären die Zara und Zoë den Mord an einer Jugendlichen auf, stoppen einen radikalen Politiker und verhindern einen Terroranschlag.

Der Autor verwendet leider viele Begriffe, die er im Kontext nicht erklärt. Diese googeln zu müssen, da sie wichtig für die Story sind, ist sehr nervig und als Leser frustriert. Meines Erachtens ist das an der Zielgruppe einer breiten Leserschaft vorbei. Selbst belesene und gebildete stoßen hier an Grenzen. Jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive erzählt, doch daran gewöhnt man sich schnell.

Insgesamt habe ich lange gebraucht, um in die Story zu kommen. Der Schreibstil war teilweise verworren und wirkte bezuglos. Vieles musste ich zwei Mal lesen, um zu verstehen, was der Autor mir vermitteln möchte. Oft musste ich mich fragen: Wo will die Story hin?  Um den Mord an einer Jugendlichen geht es tatsächlich nur noch am Rande.

Die Beziehung der beiden Z’s untereinander bleibt jedoch sehr oberflächlich, was sehr schade ist. Da hätte man schon noch Dramatik rausholen können. Auch die Mutter – maman – bleibt viel zu unscheinbar und dem Leser wurde vermittelt, dass es über sie etwas zu sagen gibt, was nie gesagt wird.

Zaras Partner Isaakson, wird gut eingeführt, aber er ist so unglaubwürdig. Wie ein Hündchen trottet er hinter Zara und Zoë her. Ohne eigenen Willen, lässt jede machen wie sie will gegen jede Regel und gegen seine eigenen Prinzipien. Er hinterfragt nichts, obwohl es mehr als einmal nötig gewesen wäre. Vertrauen ist gut, blindes Vertrauen jedoch zeugt von Naivität und Dummheit.

Der Vorgesetzte von Isaakson und Zara – Rui Vincentes. Tja, was soll ich sagen. Irgendwie hatte ich das Gefühl er wurde für mehr aufgebaut und dann einfach vergessen.

Das letzte Drittel nimmt dann Tempo auf, wartet mit einer Überraschung auf und ist wirklich spannend. Doch leider kann es den Roman nicht mehr aufwerten. Auch die gute Beschreibung der politischen Brisanz, die absolut der Realität entspricht, hilft nicht. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich es nicht zu Ende gelesen hätte. Doch als Rezensionsexemplar vom Verlag habe ich eine gewisse Verpflichtung.

Zudem wimmelt es hier überall von abgedroschenen Klischees, die fraglos einen realen Bezug haben, aber nicht unterhalten. Im Gegenteil. Sie führen zu Augenrollen und genervt sein.

Abgesehen von der nicht ganz stimmigen Story, gibt es für mich absolute No-gos: inhaltliche Fehler gehen gar nicht. Leider gibt es hier einen elementar wichtigen. Eine der Schlüsselpersonen ist mal Bruder, mal Cousin des Opfers. Einen zwar nicht storywichtigen Fehler, der nicht weniger stört findet man auf Seite 59, denn diese Pressemitteilung ist vom 11. Juli 2018 während sowohl vorher als auch in der Folge alle Kapitel der aktuellen Ereignisse chronologisch geordnet sind. Thematisch passt dieses Kapitel fraglos hierhin.

Fazit: Wer atemlose Spannung von der ersten bis zur letzten Seite will in einem lesbaren Schreibstil, sollte nicht zu diesem Buch greifen.

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